Schaparow bat den Verfassungsgerichtshof um Auslegung der Bestimmungen über die Fristen für die Durchführung von Präsidentschaftswahlen

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Der Präsident Kirgisistans, Sadyr Schaparow, hat sich an den Verfassungsgerichtshof (VGH) gewandt mit der Bitte, eine offizielle Auslegung einer Reihe von Artikeln der Verfassung zu geben, die die Ordnung und Fristen für die Durchführung regulärer und vorgezogener Wahlen des Staatsoberhauptes betreffen. Darüber berichtet die Pressestelle des VGH der Republik.

Wie betont wird, ist die Notwendigkeit der Klärung durch unterschiedliche Auslegungen der geltenden Normen in Expertenkreisen und öffentlichen Diskussionen verursacht worden, was zu gegensätzlichen Meinungen über die Amtszeiten des Präsidenten geführt hat.

In der Eingabe wird hervorgehoben, dass einzelne Bestimmungen des Gesetzes „Über die Verfassung“, das am 11. April 2021 per Referendum angenommen wurde, unterschiedliche Interpretationen des Beginns und der Dauer der Amtszeit des Präsidenten zulassen, was zu rechtlicher Unsicherheit führt, die die Stabilität der Funktionsweise der Staatsorgane beeinflussen könnte. Diese Unsicherheit betrifft direkt die Grundlagen der verfassungsmäßigen Ordnung, das Prinzip der Volkssouveränität, den Vorrang des Grundgesetzes des Landes sowie die Wahlrechte der Bürger.

Schaparow merkte an, dass die Aufrechterhaltung der Meinungsverschiedenheiten die rechtliche Frage in die politische Ebene überführen, das Vertrauen in die staatlichen Institutionen untergraben und die soziale Spannung verstärken könnte. In diesem Zusammenhang bat er den VGH, eine offizielle Auslegung der genannten Normen zu geben, um das Risiko einer Verfassungskrise auszuschließen.

Laut Informationen der Pressestelle des VGH wird die Eingabe des Präsidenten vorrangig behandelt. Die Sitzung des Verfassungsgerichtshofs ist für den 17. Februar dieses Jahres angesetzt.

📷 Die Eingabe Schaparows an den VGH wurde zwei Tage nach der Veröffentlichung eines Briefes an den Präsidenten und den Parlamentssprecher des Landes gesendet, in dem die dringende Einleitung der Durchführung neuer Wahlen des Staatsoberhauptes gefordert wurde. Das Schreiben wurde von 75 Personen unterzeichnet, darunter ehemalige Premierminister, Wissenschaftler, Ex-Abgeordnete und öffentliche Persönlichkeiten. Sie sind der Ansicht, dass nach der Annahme der neuen Verfassung im Jahr 2021 eine rechtliche Unsicherheit bezüglich der Amtszeit des amtierenden Staatsoberhauptes entstanden ist, das noch nach den alten Normen gewählt wurde. Nach Meinung der Unterzeichner könnten vorgezogene Wahlen helfen, Streitigkeiten und doppelte Auslegungen zu vermeiden.